Archive for November, 2007
Einstellungsprobleme
Alles in allem kann man sicher sagen, dass wir fast ausschliesslich nette Australier kennengelernt haben. Ein Problem gibt es aber trotzdem…Australier sind so dermassen von sich eingenommen, dass es ihnen unglaublich schwer faellt, irgendwelche Tipps anzunehmen. In Diskussionen mit Bekannten mag das ein bisschen ausgeglichener sein, im alltaeglichen Leben koennen Australier sehr anstrengend sein. Eins ist fuer sie aber besonders schlimm: Wenn Auslaender recht haben. Das ist fuer ihr Ego einfach nicht zu verkraften. Die Szene: Da ich es komisch finde, dass viele Leutchen ihren Wagen sinnlos laufen lassen, z.B. wenn sie einkaufen gehen oder auf der Campsite mit Nachbarn reden, spreche ich diese Menschen darauf an und bitte sie, den Wagen abzustellen, wenn sie
ihn denn nicht bewegen wollen. Mich nervt der Krach des laufenden Motors einfach nur. Jeder Australier ist sicher, dass die globale Erwaermung zu den Duerren und der untypisch ausdauernden Hitze fuehrt und trotzdem…konfrontiert man ihn damit und setzt das Laufenlassen des Motors mit der Erderwaermung in Zusammenhang, wird er anstrengend und ist zutiefst beleidigt. Ich kann es echt nicht verstehen…warum zum Teufel muss jeder Australier das Gefuehl haben, dass das staendige Laufenlassen seines Motors ein Stueck persoenliche Freiheit ist, die er nicht aufgeben kann? Ich weiss, vielleicht mische ich mich da in deutscher Manier in Sachen ein, die mich nichts angehen…vielleicht es auch ueberhaupt nichts mit der Erderwaermung zu tun. Aber, es kotzt mich an, dass dauernd irgendwo ein Wagen sinnlos laeuft. Sorry. Und, ja, ich habe mit dem Rauchen aufegehoert, da kotzt mich sowieso fuer ein paar Tage alles an.
;-)
2 commentsBig Fish
Wir haben jetzt auch mit dem Rauchen aufgehoert. Weils hip ist und auch wegen der Gesundheit. Nicht, dass es uns nicht gut ginge, naja, man weiss aber nie, wie es spaeter mal aussehen wird. Und jetzt ist doch auch ein schoener Zeitpunkt, oder? Kaum Stress, alles ist easy, keine Probleme. HA!!!! HAAAAAA! Von wegen! Fakt ist doch wirklich…wenn man mit dem Rauchen aufhoert, geht erstmal alles schief, was schiefgehen kann. Einfach deswegen, um es einem direkt in den ersten Tagen total schwierig zu machen.
Es gibt aber auch einfach Tage, da koennte man so oder so permanent kotzen. Da macht es auch keinen Unterschied, wo man ist. Diese Tage fangen schlecht an und enden im Chaos. Hihi. Dieser Tag fing vor 5 Tagen an und hat heute seinen Hoehepunkt erreicht. Es wird aber auch schon besser, ehrlich. Angefangen hat alles in Wagga Wagga. Wir hielten vor der Touri-Info und ich wunderte mich ploetzlich, warum die Servolenkung nicht richtig funktionierte. Die Loesung ganz einfach…: Die Fluessigkeit war ausgelaufen. Zielstrebig kaufen wir also im Shop um die Ecke neue Servofluessigkeit, fuellten auf, nur um zu sehen, dass sie direkt wieder auf den Boden tropfte. Ich ahnte es bereits. Die Pumpe hat offensichtlich ein Leck. Na, warum auch nicht? Der Subaruhaendler sprach von 300-500 $ fuer den Einbau, plus neue Pumpe. Kommt dann wohl auf 1000 $. Autsch. Wir haben ja nichts besseres zu tun, als Geld fuer Reparaturen aus dem Fenster zu
schmeissen. Aber, wat willst machen? Warten bis Montag, dann hat der Subaruman Zeit! Haha²! Auf der Campsite haben wir zwischendurch mit einem Knilch gequatscht, der sich Mechaniker schimpfte und nach einem fachkundigen Blick, einfach Fluessigkeit nachfuellt hat. Und, tatatataaaa, sie lief nicht aus. Hae? Warum es bei ihm klappt und bei mir nicht, bleibt fuer immer ein Raetsel. Ein paar Runden um den Block und immer noch ist alles dicht. Ich raffe es nicht!!! Wir danken ihm trotzdem herzlich, reisen froehlich Montags morgens ab und fuer 500 km laeufts auch gut. Ich traue der Sache trotzdem nicht. Kein Verlust, keine Probleme, alles easy. Doch, die Ernuechterung kommt im schoenen Oertchen Eden, wieder mal direkt vor der Touri-Info. Es tropft, tropft, tropft. Siehste? Der Tag ist dann aber auch insgesamt ein Knueller. Alles egal, wir gehen erstmal Kaffee trinken, wundern uns ueber den prasselnden Regen und hoeren, dass ein Thunderstorm kommt. Die, vom Cafebesitzer, empfohlene Tankstelle schickt uns zu Reparatur weiter ins 20 km entfernte Oertchen, deren Helden die Pumpe natuerlich tauschen
koennten, wenn sie sie denn in einem ihrer Wracks haetten. Haben sie aber nicht. Die naechste Pumpe liegt in knapp 200 km Entfernung auf einem Schrottplatz. Nicht, dass wir heute schon 200 km gefahren sind. Ha! Es kommt aber noch besser. Reg hat zwischenzeitlich ihre Tasche im Cafe in Eden vergessen. Auch gut. Wir rasen wie die Irren zurueck und, puh, zum Glueck, sie ist da!!! Yes! Kreditkarten, Bargeld, Perso, etc, alles drin. Danke, danke, danke!!!! Danach rasen wir wieder zum Schrottplatz, weil die Leute in der Zwischenzeit ein bisschen rumfragen wollen, wo wir die Pumpe kriegen koennen. Und, die Loesung ist so einfach wie genial: Sie lassen sich die Pumpe zuschicken und wir bekommen sie vorraussichtlich 2 Tage spaeter eingesetzt. Und, es wird billig: Alles in allem will der Kollege rund 170 $ haben, ein perfekter Preis. Ach ja, das Unternehmen ist uebrigens 2007 mit einem Award fuer guten Service ausgezeichnet worden. Jetzt weiss ich auch warum! Weil der Service gut ist. So einfach ist das. Ich haette sie alle umarmen koennen…
Holzkraft
Auf dem Weg nach Wagga Wagga liegt das wunderschoene Narrandera, naja, wuenderschoen ist wohl uebertrieben. Trotzdem, der Ort ist da und wir mussten hin, weil dort die Werkstatt eines Kuenstlers ist, von dem wir in Griffith gehoert hatten. Schwer zu finden und unbemerkt vom Strom der Touristen, arbeitet Mr.X, den wir dann auch wirklich nicht kennenlernen werden – weil er persoenlich nicht da war – an der Herstellung hochwertiger Didgeridoos. Nach einigem Suchen finden wir den gut versteckten Ort und treten ein. Holz, Holz und nochmehr Holz, wohin das
Auge reicht. Zugeschnittene, behandelte, unbehandelte, teilweise bemalte, fertige und nicht einmal im Ansatz fertige Didgeridoos erfreuen das Auge. Farbe, Hitze, Staub…wir sind da. Wir stehen vor dem Herzen (und dem Chaos) der Geschaeftsraeume. Fantastisch. Ein Hund, der wie viele andere Hunde hier aussieht wie eine Mischung aus Hund und Schwein (mit Tendenz zum mehr-Schwein-sein), kommt angerannt und versucht sich klaeffend Autoritaet zu verschaffen. Bevor ich irgendetwas antworten kann, ist ihm schon zu langweilig und er zieht weiter. Schade. Wir betreten staunend den Schuppen und freuen uns erstmal einfach nur
ueber den Einblick, den man uns so gewaehrt. Irgendwie ist es spannend und trotzdem immer ein wenig entzaubernd…die physische Teilnahme an einem Produktionsprozess…die Herstellung des Produktes findet im Kopf ganz anders statt, das ist auch bei einem Didgeridoo so. Man stellt sich bei der Herstellung liebenswerte, schrummilge Menschen vor, die seid Jahren durch den Busch ziehen, ewig nach dem perfekten Didg suchen und dies dann in wochenlangen Zeremonien bemalen, verhexen und viel zu teuer an einen Haendler verkaufen. In Wirklichkeit ist alles ganz anders…die Jungs fahren mit ihren Jeeps rund 300 km in den Outback, schlagen auf Privatgrundstuecken wie wild Hoelzer, nehmen alles mit und verarbeiten sie in
ihrer kleinen Fabrik. Aber, eben mit sehr viel Liebe zum Detail. Der Kuenstler ist beim ersten Besuch nicht anwesend, also verabreden wir mit seiner Hilfskraft “Don”, morgen wiederzukommen. Prima, er kuemmert sich um alles. Am naechsten Morgen ist der Kuenstler leider auch nicht anzutreffen, dafuer bereitet uns Don eine schoene Zeit, erzaehlt Geschichtchen, weiht uns in die Geheimnisse der Boomerangherstellung ein, zeigt Maltricks und ist einfach ein netter Kerl. Meiner Meinung nach gibt es den “Kuenstler” einfach nicht, ich vermute, Don ist der Chef und sagt es nur nicht jedem. Wie dem auch sei, schoen es gesehen zu haben und irgendwie eine besondere Ehre dagewesen zu sein. Das werden die meisten Touris nicht sehen…
Freunde der Sonne
Danke fuer die Blumen, ich habs geschafft. Ich bin dann doch wirklich 30 Jahre alt geworden. Irgendwie wars ganz einfach und ploetzlich gings auch ganz schnell. Uiuiui, 30 Jahre…verdammt, Alta…das ging wirklich total schnell. Ueber 10 Jahre ist das Abi schon her…dann kam der Zivildienst, der einen versucht hat fuers Leben zu versauen (und scheiterte) und in der Zeit danach ist auch richtig viel passiert: Ausbildung, Studium, Job, Festanstellung, Freundin, garniert mit froehlichen Veraenderungen in so ziemlich allen Lebenslagen…nach einige Parties, einigen Urlauben hier und da, zaeck, schon ist man 30. Wahnsinn. Ob ich alles nochmal genauso machen wuerde, wenn ich eine Chance haette, neu anzufangen? Abgesehen von kleinen Details und Feinheiten, definitiv: Ja! Manchmal haette ich zwar in bestimmten Dingen diplomatischer sein koennen, im Rueckblick bereue ich aber eigentlich nur, dass ich nicht haeufiger Windsurfen gegangen bin.
Und, dass ich nicht mehr Zeit mit euch verbracht habe, Freunde der Sonne…
…schoen, dass es euch gibt!
Euer Sme
P.s.: Danke Papa, fuer den tollen Brief…hat mich total gefreut!!!
1 commentIst alles relativ…
Nachdem wir also mehr oder weniger aus Griffith geflogen sind, war Leeton der Ort der Wahl und mal wieder eine kleine Oase der Entspannung. Dem Wagen ging es diesmal auch ganz gut, wenn man mal von einem kleinen Intermezzo mit der Servolenkung absieht. Doch dazu spaeter. Wenn man nicht so genau weiss, worueber man reden soll, redet man halt uebers Wetter…das mache ich jetzt auch. Es war naemlich mal wieder extrem heiss. Mittlerweile haben wir auch rausgefunden, wo unsere persoenliche Wettergrenze ist. Irgendwann, so ab 30-32 Grad, wird es fuer uns einfach unertraeglich. Alles ist
anstrengend, nichts macht wirklich so richtig Spass und irgendwie kann man sich einfach nicht mehr entspannen, so total im Siff der Hitze dahinleidend. Ist es tagsueber zu heiss, bleibt es meistens Nachts auch heiss. Tolle Weisheit, und trotzdem wahr. Verdammt. Wie gesagt, wir sind immer noch Mitteleuropaeer und einige Stunden lang ist diese nervige Art Hitze wirklich schoen, danach wird es definitiv zu schlimm. Vor allem, da man als Camper nun wirklich wenig Moeglichkeiten hat, sich vor “Wetter” zu verstecken. Egal, wir leiden gerne und uns stoert ueberhaupt nichts mehr so richtig: Unser Aufenthalt in Leeton war daher, abgesehen von der Hitze, von solch perfekter Unkompliziertheit, dass man diese Zeit definitiv als Urlaub im Urlaub bezeichnen kann. Daher gibt es auch nichts weiter auffaelliges zu berichten, alles war naemlich prima. Obwohl, da war doch was: Ein Highlight in Leeton war der Stromausfall am Freitag, genau zwischen 14.00 und 15.00 der die Bewohner auf dem falschen Fuss erwischte.
Wir kamen grade aus der Bibliothek, unser bevorzugter Ort (gekuehlt, mit Internetzugang), als ploetzlich die Lichter ausgingen. Der gesamte Ort war Stromlos, was die meisten Unternehmen mit voller Wucht traf. Kassen funktionierten nicht mehr, elektrische Schiebetueren hielten Kunden gefangen und Geldautomaten waren, schlicht und einfach, aus. Ahhh!!! Uns egal, wir zahlen sowieso bar. Scheinbar der einzige Laden, der sich immer noch froehlich und sehr geschaeftig zeigte, war Woolworth. Die Kinder dort waren offensichtlicher einfach ein bisschen schlauer als die anderen und hatten einen Generator im Keller, der ihnen komfortabel und fleissig, Strom produzierte. Alles prima. Ach ja, im Nachbarort Narrandera gibt es in der Touri – Info die spielbare Big Guitar zu bestaunen. Nice. Vermutlich fing da alles mit der Servolenkung an…?! Remember: God offers us a fresh start every day.
Integrity, John Hough
Manchmal gewinnt man, manchmal eben nicht. Nachdem wir den Outback hinter uns gelassen haben, lag Griffith als naechstes, knapp 300 km entferntes Ziel auf unserem langen Weg. Um es direkt vorneweg zu verraten: Griffith sollte man als Camper meiden. Aber alles der Reihe nach. Auf dem Weg aus dem Mungo National Park war der erste, eingermassen von Zivilisation erfasste Ort Hay. Hay? Genau, Hay. Hat niemand von gehoert und wird vermutlich auch den meisten
Menschen in 1000 Jahren nicht viel sagen. Und das ist auch gut so. Ein paar Shops, ein bisschen Infrastruktur, viele Spinnen und irgendwelche fliegenden Tiere, die mit ihren knapp 4 cm. schon fast als Voegel durchgehen koennten, versuessten uns den ersten Camp-Stop, wo komische Gestalten, die technisch als Menschen bezeichnet werden duerfen, zuhause sind. Wir hatten vor nur eine Nacht zu bleiben und hielten unser Wort. Der Nachmittag hatte dann aber doch etwas Gutes…Reg hat bei einer
ehemaligen und nun reisenden Frisoerin einen neuen Haarschnitt erstanden und, ob man es glaubt oder nicht, wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Sme als Hausfrisoer ist ueber seinen Schatten gesprungen und hat sich eingestanden, dass professionelle Haende mit dem Haupthaar ganz erstaunliches anstellen koennen. So auch hier. Waehrend wir uns an der Eleganz des neuen Haarschnitts erfreuten, betrat John Hough die frohe Buehne unserer Praesenz und verkaufte uns, mir nichts,
dir nichts, sein aktuelles Buch. Stell dir vor, John Hough persoenlich!!! Aehm, John wer? Ist ja schon gut, wir kannten ihn auch nicht und es ist ausserdem sein erstes Buch und das hat er selbst veroeffentlicht. Nachsicht, bitte! Trotzdem, das lange Gespraech mit ihm war unkompliziert semipolitisch und recht angenehm, also haben wir uns die einmalige Gelegenheit gesichert, moeglicherweise in 10 Jahren sagen zu koennen, dass wir den nun beruehmten Autor, damals auf der Campsite, blablabla, getroffen haben. Wie dem auch sei, wir werden den geneigten Leser
ueber den Inhalt des Buches informieren und mit einer zuenftigen Kritik nachlegen. Am naechsten Morgen sind wir abgereist, wie geplant. Das Ziel: Griffith, eine weitere Stadt, die Herr Griffin, der sich u.a. fuer das Design der Hauptstadt Canberra verantwortlich zeigt, entworfen hat. Wir waren gespannt. Endlich angekommen, verlief alles sehr anstrengend. Die (nur) 3 Capsites wurden besucht und nach, nicht mehr als 2 1/2 Std., wussten wir, dass wir nicht bleiben koennen, weil es, man hoere und staune, genau 2…ja, genau 2 stromversorgte Plaetze fuer Zelte in ganz Griffith gibt und die waren belegt. Top! Sowas haben wir in ganz Australien nicht erlebt. Selbst Bowen, am Arsch der Welt gelegen und nur mit der Haelfte der Einwohner von Griffith gesegnet, verfuegt ueber 8 Caravanparks, mehrere 100
(!) Powered Sites und das ist keine Ausnahme in Australien. Wir haben immer was gefunden. Aber nicht hier! Griffith war fuer uns somit, schneller als uns lieb war, gestorben. Das Oertchen Leeton war danach unser naechstes Ziel des Tages…und rein zufaellig ist Leeton auch vom beruechtigten Herrn Griffin entworfen worden. Wenigsten gibt es hier platz fuer uns. Griffith kann mich doch mal kreuzweise…
Walls of China
Suedlich von Broken Hill, und nur ueber eine rund 200 km lange Sand- und Schotterpiste zu erreichen, liegt Lake Mungo. Er ist ein Trockensee, was wohl bedeutet, dass er mal ein See war, und jetzt eben einfach nur noch trocken ist. Interessant aber: Weil er trocken ist, ist er eine Fundgrube fuer Archaeologen. Es wurden menschliche Skelette und Artefake ausgegraben, die 46.000 Jahre oder aelter sind. Hoert, hoert! Der Lake gehoert zur Willandra Lakes Region und diese ist als Weltkulturerbe geschuetzt. Als ob das nicht Grund genug
waere, der Gegend einen Besuch abzustatten, gibt es zusaetzlich die sogenannten Walls of China, ein durch den permanenten Westwind entstandener, 25 km grosser Halbkreis aus riesigen weissen Sandduenen. Hat sich fuer uns gut genug angehoert, um mal vorbeizuschauen. Die Strecke dorthin ist allerdings nicht ohne, weit und breit sucht man Asphalt vergeblich und Tankstellen, Telephonzellen, Sendemasten, Shops oder einfach nur Radioempfang gibt es fuer eine Strecke von rund 350 km auch nicht. Gute
Planung ist da wie immer alles. Reichlich Wasser, Tabak, Wein und Lebensmittel wurden eingepackt, der Tank bis zum ueberschwappen gefuellt und nach der Entschiedung, dass ein Reservereifen mehr als genug ist, gings los. Den 4WD leger zugeschaltet, vergingen die ersten Stunden auf der Reise durchs echte Outback leider trotzdem nicht wie im Flug. Ueber “Dirtroads” ist eben alles ein bisschen anstrengender, der Bremsweg ist ewig, die Traktion duerftig und permanent
muss man damit rechnen, dass Kuehe, Emus oder Kangaroos den Weg kreuzen. 7 0 km/Std. ist zwar eigentlich das hoechste der Gefuehle, aber irgendwann kommt der Wahn und laesst die Angst um Reifen, Fahrwerk und das nackte Uberleben schwinden und plotzlich hat man das Gefuehl, ein Wuestenrennen meistern zu muessen. Wer bremst verliert und der Wagen wird (hoffentlich) schon halten. Tat er auch, wir kommen nach einigen Stunden wohlbehalten, aber extrem muede im Park an. Das Camp ist schnell aufgebaut,
aber eins faellt direkt auf: Fliegen, wohin das Auge reicht…sehr fies! Das schlimme hier: Die penetranten Fliegen versuchen immer und immer wieder moeglichst direkt im Auge zu sitzen, moeglicherweise, weil es dort feucht ist. Argh! Aber, ein kleines Voegelchen, was die ganze Zeit um uns herum latschte, hatte die Zeichen der Zeit erkannt und pickte uns die Fliegen praktisch vom Bein. Schlauer Vogel! Spaeter haben wir uns aufraffen koennen, wegen der Fliegen total verschleiert, die Walls zu begutachten. Tatsaechlich ist es sehr huebsch und ziemlich imposant…die Walls of China passen einfach verdammt gut in diese unwirtliche und
menschenfeindliche Gegend, die durch viel huepfendes und kriechendes Getier wenigstens ein bisschen lebendiger wird. Die Hitze tut ihr uebriges und versetzt einem den Rest, sozusagen. Insgesamt ist es wahrlich kein Ort, an dem man seine Kinder aufziehen moechte…trotzdem, Outback ist und bleibt wahnsinnig faszinierend und uebt eine schwer zu erklaerende Anziehung aus. Wir moegen den Outback. Komisch, ist aber so…
Mad Max
Von Broken Hill sind es knapp 25 km bis ins sagenumwobene Silverton. Dort wurde in vergangenen, glorreicheren Jahren Silber abgebaut. Ihre Bluete erlebte Silverton 1885 (!) und, nachdem die Zechen 1889 (hehe) dichtgemacht haben, zogen fast alle der 3000 Menschen nach Broken Hill oder einfach nur so weit weg wie moeglich. Uebriggeblieben sind knapp 60 Menschen und ein ziemlicher netter Pub, in
dem jeder den “Test” machen kann, der glaubt, ihn bestehen zu koennen. Das Ziel: Der, der den “Test”, besteht, wird schliesslich mit einer lebenslangen Mitgliedschaft gelohnt, die allerdings ohne nennenswerte Vorteile bleibt. Und, obwohl wir nicht verraten duerfen, worum es sich bei dem “Test” handelt, duerfen wir immerhin mitteilen, dass wir ihn bestanden haben!!! Tata! Wir sind Mitglieder mit den Nummern 657 + 658. Abgesehen vom Pub und einigen
Galerien ist Silverton vor allem eine Geisterstadt… gaebe es da nicht ab und an einige Filmteams, die genau diese Endzeitstimmtug benoetigen, um ihre Kunstwerke so darstellen zu koennen, wie sie es vorhaben. So wurde u.a. Mad Max II dort gedreht, was unmoeglich zu uebersehen ist, da der beruehmte (?) Wagen immer noch vorm Pub parkt. Drinnen zeugen Bilder von laengst vergangenen Zeiten des Filmtrubels. Auf der anderen Seite hat das Personal dafuer einfach nur totalen ![]()
Spass mit dem “Test”, die Pies sind sehr gut und auch noch billig. Daher, hingehen! Einige Kilometer ausserhalb der Stadt liegt die Aussichtsplattform Mundi Mundi Plains, von der man einen ziemlich guten Blick auf das nach Silverton beginnende Nichts hat. Der Begriff Outback wird hier nochmal richtig deutlich. Dafuer sind einige der Galerien definitiv einen Besuch wert, im Outback ist scheinbar schon manch ein Kuenstler auf bekloppte Ideen gekommen, die er dann gekonnt umgesetzt hat. Weil wir nach der ganzen Anstrengung des Sightseeings immer noch Lust hatten etwas zu machen, sind wir, weil es in
Deutschland ungleich schwerer ist, auf Kamelen geritten. Man mag es ja kaum glauben, aber Australien ist das Land, in dem sich die meisten freilaufenden Kamele tummeln. Viele Firmen bieten daher tagelange Kameltouren oder einfach kurze Ausritte an. Unsere Erfahrung im Kamelreiten, war, sagen wir mal, eher duerftig und deshalb haben wir uns fuer einen relativ kurzen Ausritt entschieden. So oder so ist es ziemlich spannend, man sitzt naemlich verdammt hoch. Bitte beachten: Immer nach hinten lehnen, wenn das Kamel in die Knie geht.
Rote Erde
Wir haben Blut geleckt. Naja, weil wir einfach nicht genug vom Outback Australiens bekommen koennen, sind wir eben wieder hin. Von Mildura, wo uns die Freunde aus dem Hause Subaru ganz wunderbar den Wagen repariert haben, gings ziemlich genau 300 km nordoestlich ins Inland. Das Ziel: Broken Hill. Eine Oase im Nichts, die auch gerne Silver City genannt wird. Auf dem Weg
gab es noch ein weiteres, inoffizielles Big Thing…The Big Wine Box, wie wir es getauft haben. Die Firma Stanley, deren Produkte wir auch, das ein oder andere Mal, verkoestigten, hatte doch tatsaechlich ihre Weinkeller direkt auf dem Weg. Welch ein Zufall! Toll! Zurueck zur Reise: Irgendwann war Bergbau in Broken Hill das Mittel um Geld zu verdienen, heutzutage sind es eher die Galerien und Nippeslaeden, die Geld machen. Fast alle Minen sind geschlossen, einige kann man besichtigen, wovon wir dankend abgesehen
haben. Wenn man den Ruhrpott in der Heimat direkt um die Ecke hat, sind Minen nur noch halb so spannend, auch wenn sie in Australien sind. Dafuer hatte die Touri-Info ein nette Hand-Out mit dem treffenden Namen: “How to wash and dry hands”. Fuer uns von unschaetzbarem Wert…vor allem, da wir wir einfach nicht wussten, wie es geht. Super Service. Broken Hill ist dann auch wirklich einen Ausflug wert, viele sehenswerte Gelerien locken den
unbedarften Traveller in ihre Raeumlichkeiten und bieten teils ziemlich gute Kunst, die vor allem vom Outback gepraegt ist. Lohnt sich. Ein ziemliches Highlight ist ausserdem Bells Milk Bar, eine, wie der Name schon sagt, “Bar” aus dem 50ern, deren gemuetlicher Flair und die leckeren Milkshakes es bis in die Gegenwart, nahezu unveraendert, geschaft hat. Ein weiters Plus war das dort vorhandene kostenlose Wireless-Lan, welches uns so manche schoene Stunde bereitet hat. Teilweise ist es naemlich verdammt schwer ueberhaupt irgendwo ins Netz zu kommen…da ist so ein Service manchmal einfach Gold
wert. Ja, und einige gute Milkshakes und Kaffees sowieso. Und weil wir schon mal da waren: Eine Reihe von internationalen Kuenstlern haben auf einem beachtlichen Huegel, 9 km vor der Stadt, Skulpturen aus Sandsteinbloecken erreichtet. Diese sind teilweise so gut, dass sich der ziemliche nervige Aufstieg und die zusaetzliche Strapaze (ca. 500 Fliegen / Person) auch lohnt. Hat man es einmal auf den Huegel geschafft, erfreut sich das Auge an einem schoenen Blick ueber die gesamte Ebene…sehr nett. Weil wir das Geld fuer den Eintritt (10$) nicht klein hatten, hat uns ein ziemlicher freundlicher Australier mit unbekanntem Namen einfach und ohne oegern den Eintritt bezahlt. Seine letzten Worte waren: Don’t leave the country. Australische Gastfreundlichkeit ist oft einfach nicht zu uebertreffen.
Schilder machen bloed
Eins muss man Australien lassen…fuer fast alles gibt es irgendeine Reglung oder ein Schild. Eine unvollstaendige Aufzaehlung: 1. Meine Lieblingseinschraenkungung bisher: Spraydosen werden seit Mitte des Jahres nur nach an Erwachsene verkauft. Damit will die Regierung ein, allgemein als “Sprayen” bekanntes, Uebel eindaemmen. Sehr klever. Ich bin gespannt, was passiert, wenn es nicht klappt. 2. Interessant ist auch, dass jeder, der in Cairns Wein in groesseren Quantitaeten als 2 Liter kaufen will, bis 1600 Uhr
warten muss. Besser noch in In Alice Springs: Hier wird Wein per Gesetzt nur in maximal 2 Liter Behaeltern verkauft und pro Tag nur einer pro Person. Ab 5 Liter Alkoholika insgesamt, z.B. eine 2 Liter Box Wein und 1 Kiste Bier muessen die Daten des Personalausweises erfasst und an die Stadt weitergegeben werden. Top! 3. In Melbourne ist es offensichtlich gaenzlich untersagt in der Zeit zwischen 1900 und 0800 Uhr irgendetwas auf der Strasse zu trinken. So haben wir jedenfalls das Schild verstanden. 4. Mount Gambier ruehmt sich mit seiner, ueber der ganzen Innenstadt verhaengten, Dry Zone…eigentlich lustig, vor allem, da Mount Gambier auch erhebliche Versorgungsprobleme mit Trinkwasser hat. 5. Lustig ist auch die staatliche Fruit Fly Exclusion Zone, vom Westen New South ![]()
Wales nach South Australia reichend. Die Einfuhr von potentiell gefaehrlichem Obst und Gemuese ist hier verboten. Es gibt in diesem Gebiet tatsaechlich auf allen Hauptstrassen Kontrollen, in denen jeder Wagen angehalten wird. Dabei geht es aber nicht um die in Europa hinlaenglich bekannten Drogen- oder Alkoholkontrollen, nein, es geht um verbotene Fruechte. Sehr biblisch! Australien hat sich also im suedlichen Herzen des Landes einen Bereich abgesteckt, den es versucht, Fruchtfliegenfrei zu halten. Warum, ist trotz der von den Kontrolleuren verteilten Flugblaettern nicht klargeworden. Fruchtfliegen sind aus dem deutschen Fruchtmarkt doch ueberhaupt nicht wegzudenken, vor allem wenn ich an den tuerkischen Verkaeufer in der Stadt denke. Woher kommt also die australische Angst
davor? Die Antwort bleibt offen. Vermutlich komerzieller Hintergrund. Ich stelle mir die Werbung vor: Unsere Fruechte sind garantiert FFF. Fruchtfliegenfrei!!! Yeah. Die Geldstrafen fuer das Einfuehren von Fruechten liegen uebrigens zwischen 200 und 2500 $. Und, die Kontrolleure in South Australia duerfen sogar den Wagen noch Obst durchsuchen. Wahnsinn. Aufpassen ist angesagt! 6. Manchmal ist Werbung aber auch sehr spannend. Telstra z.B. wirbt mit einer vergleichenden Werbung fuer seine tolle Netzabdeckung, die auf dem Plakat an sich schon wie blanker Hohn aussieht. Aber Hauptsache, die Abdeckung sieht besser aus, als beim Mitbewerber. Raise your right foot!